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  • Lena

Liebe beginnt mit Selbstliebe




Wir, Menschen, sehnen uns nach Liebe, Nähe und Vertrauen. Das sind sehr schöne Gefühle. Aber oft vergessen wir, dass, um die anderen lieben zu können, sei es unsere Partner, unsere Freunde, Familie oder die Welt, wir zunächst uns selbst kennen und lieben lernen müssen. Das stand schon in der Bibel: "Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst". Wie können wir denn unseren Nächsten lieben, wenn wir keine Selbstliebe empfinden?


Selbstliebe ist leichter gesagt, als getan. In der Tat fällt es vielen Menschen schwer, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben. Oft wohnt tief in uns ein strenger Kritiker oder Kritikerin, die sehr hart mit uns umgeht. In unserer Gesellschaft, die so stark auf Leistung ausgelegt ist, scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu herrschen, das besagt: "Man ist nur dann etwas wert, wenn man etwas leistet". Dieser Leistungsdruck führt oft dazu, dass wir uns gegenüber immer strenger werden, uns keine Pause gönnen und permanent Selbstoptimierung betreiben.

Innezuhalten, eine Pause zu machen und zu sich selbst zu sagen: "Das habe ich gut gemacht" oder "Ich bin gut genug" scheint dabei kaum möglich zu sein.


Doch das ist dringend nötig. Zugegeben ist es nicht einfach, alte Muster zu unterbrechen. Aber nicht unmöglich. Vielleicht sollen wir uns mal an unsere Kindheit erinnern. Waren wir als Kinder mit uns selbst unzufrieden? Haben uns nicht akzeptiert oder an uns rumkritisiert? Ich glaube nicht. Durch meine Arbeit mit Kindern in gemeinnützigen Projekten fällt mir immer wieder auf, dass bis zu einem gewissen Alter Kinder mit sich selbst total im Reinen sind. Dann kommt Pubertät, Erwachsenwerden und sie fangen an, sich mit anderen zu vergleichen und dann entwickelt sich erstmal latente Unzufriedenheit, die dann in Selbstkritik und zum Teil Selbstoptimierungszwang rübergeht. D.h. wir waren nicht immer so, und die Erfahrung der Selbstakzeptanz und -liebe haben wir bereits in Kindheit gemacht. Ein erster Schritt ist sich das bewusst zu machen, dass wir das können, nur eben im Laufe der Jahre etwas vergessen haben.


Um dieses Gefühl wiederzubeleben sind viel Zeit und Geduld nötig. Der erste Schritt auf dieser spannenden Reise ist die Selbsterkenntnis. Selbstreflexion hilft uns dabei, uns selbst erstmal besser zu verstehen: Was sind unsere Antreiber? Was sind unsere Motivatoren? Was sind unsere Stärken? Worauf bin ich stolz? Oft rennen wir durchs Leben, geblendet von Außenreizen und sind uns dessen gar nicht bewusst, was sind unsere Wünsche und was uns ausmacht. Zugegeben haben viele auch Angst vor Selbsterkenntnisreise. Dabei ist es so spannend, sich selbst kennen zu lernen und zu erforschen. Was man versteht, kann man viel besser akzeptieren und im nächsten Schritt lieben lernen.


Der nächste Schritt ist die Selbstakzeptanz. Auch dies passiert nicht über Nacht, sondern ist ein langer Prozess. Dabei hilft der Fokus auf eigene Stärken und das eigene Potenzial. D.h. nicht, dass man alles andere ausblenden soll. Aber dieser Fokus hilft uns, uns selbst auch mit unseren Schwächen zu akzeptieren. Übrigens bedeutet die Selbstakzeptanz nicht, dass man sich nicht weiterentwickeln soll. Das eine schließt das andere nicht aus. Aber damit wir etwas verändern bzw. verbessern wollen, müssen wir den Status Quo akzeptieren. Was hält uns von der Selbstakzeptanz ab? Meistens, die Selbstunzufriedenheit und diese entsteht oft durch permanenten Vergleich mit den anderen. Mir hilft dabei das schöne Zitat von Oscar Wilde: "Sei Du selbst, alle anderen sind bereits vergeben". Der Gedanke darüber, dass wir alle einzigartig sind und daher der Vergleich keinen Sinn macht, ist sehr stärkend.


Was auch gut bei der Selbstakzeptanz helfen kann, sind positive Affirmationen wie "Ich akzeptiere mich wie ich bin", "Ich bin gut genug" etc. Affirmationen sind eine Art von Mantra, die in unser Unterbewusstsein eindringen, wenn wir diese oft genug wiederholen.


Die Selbstakzeptanz ist die Voraussetzung für die Entwicklung der Selbstliebe, die noch weiter geht. Selbstliebe bedeutet, nicht nur sich zu akzeptieren, sondern sich an jeder Stärke, aber auch an jeder Macke zu erfreuen und sich selbst viel verzeihen zu können. Selbstliebe hat auch viel mit Selbstfürsorge zu tun: sich eine Pause gönnen, sich etwas Gesundes kochen, sich umarmen und sich gegenüber in den Spiegel lächeln.


Was gut helfen kann, sind kleine Rituale der Selbstliebe, die wir in den Alltag integrieren können: z.B. jeden Morgen einen gesunden Smoothie trinken, eine Tasse leckeren Tee am Abend, ein langer Spaziergang pro Woche, sich Zeit für Dinge nehmen, die uns glücklich machen. Wenn wir uns bewusst solche Oasen schaffen, werden diese langsam ins Unbewusste übergehen und dann wird das zur guten Gewohnheit.


Auch Bilder ist eine gute Unterstützung bei der Selbstliebe: Wenn ein harter Kritiker in uns gerade herumtobt, kann es helfen, sich selbst als ein kleines Kind vorzustellen und dieses umarmen und damit in den Schutz nehmen. Oder sich vorstellen, dass wir selbst unsere besten Freunde sind. In schwierigen Situationen ermutigen wir Freunde und bauen sie auf - diese positive Erfahrung können wir auf uns selbst übertragen.


Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und je kleiner der Schritt ist, umso leichter fällt er uns. Selbstakzeptanz und -liebe ist ein langer Prozess, fast schon lebenslang. An einem Tag besteigen wie den Gipfel der Selbstliebe und sind sehr stolz auf uns, an einem anderen Tag fallen wir wieder in die alten Muster. Wichtig ist, nicht aufzugeben und den Mut nicht zu verlieren, sondern weiterhin uns selbst kleine Zeichen der Selbstliebe immer wieder zu machen. Unsere alten Verhaltensmuster haben uns jahrelang geprägt, um sich etwas Neues anzueignen, müssen wir daher auch immer permanent üben.


Das klingt vielleicht sehr technisch, aber auch beim Thema Selbstliebe passt für mich der Spruch "Übung macht den Meister".


Heute ist Valentinstag, der sogenannte Tag der Verliebten. Lasst uns an diesem Tag uns in uns selbst verlieben und uns selbst feiern. Eine Freundin von mir pflegt immer zu sagen: "Ich verbringe die Zeit mit der besten Person auf dieser Welt - mit mir selbst". Ich sage heute dazu: "Ich verbringe gerne die Zeit mit einer einzigartigen Person - mit mir selbst". Genauso ist jeder von uns einzigartig.


Zum Schluss zitiere ich nochmals Oscar Wilde: "Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze". Das bedeutet aber nicht, dass wir unser ganzes Leben nur mit uns selbst verbringen sollen. Selbstliebe ist eine gesunde Grundlage dafür, erfüllte Beziehungen mit anderen Menschen aufzubauen und andere zu lieben. Und übrigens hat Selbstliebe nichts mit Egoismus zu tun. Egoismus bedeutet eigene Bedürfnisse über alles zu stellen, während Selbstliebe bedeutet, eigene Bedürfnisse zu kennen und auf diese zu achten, aber nicht um jeden Preis.


Ich wünsche uns allen Selbstliebe, insbesondere in heutigen etwas herausfordernden Zeiten. Und denkt daran, das ist ein Prozess und kein Ergebnis.


Einen schönen Tag der Selbstliebe wünsche ich Euch allen heute!






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